Aufklärung, Elternsein, Frausein, Geburt, Hausgeburt, Kinder, Schwangerschaft, Sternenkinder

Meine kleine Geburt

Triggerwarnung: Vorsicht, nichts für schwache Nerven!!!

 

Ich habe hin-und herüberlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich so veröffentlichen soll. Aber ich glaube, es ist wichtig, dass genau soetwas auch an die Öffentlichkeit kommt, weil es einfach mit zum Leben dazugehört. Bisher wurde bzw. wird diese Thematik halt einfach im wahrsten Sinne des Wortes totgeschwiegen, weil es unangenehm ist, man nicht weiß, wie man mit Betroffenen umgehen soll, und man sowas vielleicht auch einfach gar nicht wissen will. Lustige Geschichten finden vermutlich mehr Leser, aber manchmal ist das Leben halt einfach NICHT lustig.

Da eine kleine Geburt ein in Deutschland leider immernoch eher ungewöhnlicher Weg ist, und frau nach der Diagnose „verhaltener Abort“ meist sofort zur Ausschabung gedrängt wird, will ich hier meinen Erfahrungsbericht dazu beisteuern und Mut machen, auch bei einer Fehl-Geburt einen selbstbestimmten Weg zu gehen:

Seit mittlerweile zwei Wochen wusste ich, dass das kleine Herz in meinem Bauch nicht mehr schlägt. Jeder Blick in den Spiegel schmerzt. Es ist wirklich nur schwer zu ertragen, wenn der Bauch noch schwanger aussieht, man aber weiß, dass das Kleine nicht mehr lebt. Es zerreißt einen fast, jeden Tag ein bisschen mehr. Ebenso wie alles, was mit Schwangerschaft oder Geburt zu tun hat. Es ist nur schwer, dem zu entfliehen. Alle Mütter von drei Kindern werden mich von nun an an unser drittes Sternchen erinnern…

Als wäre alles nicht schon schwer genug gewesen, hat eine fiese Erkältung die ganze Family flachgelegt. Die Kinder waren schnell wieder fit, aber fitte Kinder nehmen leider gar keine Rücksicht auf kranke Eltern, und so lagen unsere Nerven ziemlich schnell blank. Keine besonders guten Voraussetzungen, um gut loslassen zu können…

Umso froher war ich, dass es nach genau zwei Wochen warten und ein bisschen Nachhelfen mit Kräutern und Homöopathie letzte Woche in der Nacht von Montag auf Dienstag tatsächlich von selbst gegangen ist. Und fühle mich irgendwie seltsam erleichtert und leer.

Zwei Tage vorher fing es mit ganz leichten Schmierblutungen an. Ab Sonntag hatte ich dann schon immer mal wieder so ein regelschmerzartiges Ziehen. Montag Abend dann gegen halb 9 ging es los mit wehenähnlichen Kontraktionen wie beim richtigen Geburtsbeginn, die dann in immer kürzeren Abständen kamen, bis es alle zwei Minuten waren. Und dann kam auch das Blut, und immer mal wieder schwallartig ziemlich große Stücke, wohl Gebärmutterschleimhaut und geronnenes Blut. Zwei oder dreimal bin ich zwischendurch zum Ausruhen aufs Sofa (die Klobrille ist doch ziemlich unbequem auf Dauer), da wurden aber sofort sowohl die Abstände kürzer, als auch die Kontraktionen schmerzhafter- ich vermute, weil das Blut nicht ungehindert abfließen konnte (Zusammenhang zu Regelschmerzen?!!!). Zwischendurch hab ich immer wieder getrunken und einen Apfel gegessen. Irgendwann, nachdem die Abstände schon langsam wieder größer geworden waren, wurden sie auf einmal wieder kürzer und die Kontraktionen heftiger, und meine Vermutung, dass irgendwas im Gebärmutterhals feststeckt hat sich bestätigt. Ich habe getastet und es dann mit den Fingern rausgezogen, es sah aus wie ein Stückchen Plazenta oder vielleicht auch die Fruchtblase. Danach wurden die Kontraktionen sofort wieder schwächer und die Abstände länger, bis es sich nach insgesamt 6 Stunden wieder so beruhigt hatte, dass ich um 3 Uhr ziemlich fertig aber irgendwie auch zufrieden ins Bett gehen konnte. Mein Körper hatte es diesmal alleine geschafft.

Einen Tag später hatte ich dann noch leichte „Nachwehen“ und ziemliche Kreislaufprobleme. Wie eine kleine Geburt eben. Nur mit leerem Bauch UND leeren Armen am Ende. Aber zumindest war es ja quasi eine kleine Hausgeburt…

Aber es war noch nicht alles. Zwei Tage später hatte ich irgendwie ein ungutes Gefühl, und spürte so einen Druck nach unten, als ob noch irgendwas rauswollte. Also hab ich das homöopathische Mittel nochmal wiederholt, vorsorglich viel Wasser mit Zitrone getrunken, und kurze Zeit später fing es tatsächlich nochmal ganz schön stark an zu bluten. Es steckte nochmal etwas im Gebärmutterhals fest, diesmal konnte ich es allerdings nicht rausziehen. Dann fiel mir zum Glück noch ein, mit aller Kraft zu pressen wie bei einer Geburt. Und siehe da, ein kinderfaustgroßer Klumpen plumpste heraus. Danach hat sich sofort alles wieder beruhigt, und die Blutung wurde wieder deutlich schwächer. Den Klumpen hab ich aufgehoben und eingefroren, um später, wenn ich soweit bin, etwas zu haben, was ich bei einem kleinen Beerdigungsritual an Mutter Erde zurückgeben kann.

Kreislaufmäßig ging es mir dann allerdings ziemlich miserabel, bei jedem Aufstehen wurde mir schwindelig. Zum Glück kam meine Mum für zwei Tage zu uns, alleine hätte ich mich nicht um die Kids kümmern können. Beim Frauenarzttermin am nächsten Tag zeigte sich auch der Grund dafür: ein Hb-Wert von 6,2 (normal ist ca. 12). Ab einem Wert von 6 ist eigentlich eine Bluttransfusion angezeigt. Das war erstmal ein ziemlicher Schock. Bluttransfusion?! Ich sollte nun übers Wochenende hochdosierte Eisentabletten nehmen, und dann wollte die Ärztin den Hb-Wert nochmal kontrollieren. Da er aber in den zwei Tagen (logischerweise) nur minimal auf 6,6 gestiegen ist, ich immernoch weiß wie eine Wand aussah und mein Kreislauf immernoch total im Keller war, wurde ich sofort zum Hämatologen überwiesen. Am gleichen Tag bekam ich noch eine Eiseninfusion, und einen Tag später dann tatsächlich eine Bluttransfusion. War schon ein etwas seltsames Gefühl, insgesamt 2 Stunden dazusitzen und fremdes Blut durch einen Schlauch in den eigenen Körper laufen zu sehen, aber ich spürte förmlich, wie die Farbe in mein Gesicht zurückkehrte. Danke an den Menschen, der sein Blut gespendet hat.

Danach ging es mir schlagartig wieder besser. Und beim heutigen Frauenarzttermin endlich die Erleichterung: ich brauche keine Ausschabung, bis auf einen klitzekleinen Rest ist alles abgeblutet. Es ist also geschafft. Ein kleines bisschen stolz, dass ich es diesmal alleine geschafft habe, auch wenn es durch den hohen Blutverlust gefährlich war.

Die Wut auf das Schicksal weicht langsam, und macht anderen Überlegungen Platz.

Will ich wirklich noch ein weiteres Kind, wenn es scheinbar nur mit medizinischer Hilfe (Heparinspritzen) möglich ist? Kann ich mich mit zwei Kindern zufrieden geben, wenn ich doch so gerne eine große Familie hätte? Was tue ich meinen Kindern für ein potentielles Leid an, wenn ich meine „Defekte“ an sie weitervererbe? Vielleicht hätte ich, wenn es rein nach der Natur ginge, ja auch gar keine Kinder bekommen sollen?…

Weil ich es so wichtig finde, die Alternative kleine Geburt bekannter zu machen, hier noch ein paar Links:

Allgemeine Informationen zu Fehlgeburten und Vor-und Nachteile einer kleinen Geburt:

http://www.mein-sternenkind.de/fehlgeburt/kleine-geburt/

Noch zwei andere (lange) Berichte über kleine Geburten:

https://www.hebammenblog.de/die-kleine-geburt-ein-fehl-geburtsbericht/

http://www.schwanger-in-duesseldorf.de/selbstbestimmt_auch_bei_einer_fehlgeburt.html

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Aufklärung, Elternsein, Frausein, Geburt, Schwangerschaft, Sternenkinder

Und wieder ein viel zu früher Abschied….

brombeerfalter_sepia

Es war leider nur ein kurzer Besuch auf der Erde…

Die größte Angst, die eine Sternchenmama leider immer bei einer neuen Schwangerschaft begleitet, ist wieder wahr geworden. Ein drittes Mal.

Unser kleiner Bauchbewohner wollte schon wieder zurück zu den Sternen. Gestern beim Ultraschall in der 9. SSW, nach einer uuuuneeeendlich langen Stunde im Wartezimmer, die sich angefühlt hat wie die Ewigkeit, gab es keinen Herzschlag mehr zu finden.

Noch ist es schwer zu begreifen, der Alltag sorgt noch für Ablenkung. Aber ich spüre schon, wie sich die Trauer ganz langsam wie eine schwere Decke auf mich herabsenkt. Gemischt mit ein bisschen Wut aufs Schicksal, dass es uns schon wieder getroffen hat.

Aber wissend, dass nichts ohne Grund geschieht. Und dass alle meine Sternchen vielleicht die Antwort auf die Frage nach meiner Aufgabe hier auf der Erde sind… Die Reaktionen in der Arztpraxis gestern, sowohl von der Ärztin selbst (ein routinemäßiges, schulterzuckendes „Tut mir leid“) als auch von den Sprechstundenhilfen (betretenes Schweigen, wortloses Hinschieben des leeren Mutterpasses) haben mal wieder gezeigt, dass es immernoch ein großes Tabuthema ist, und keiner so richtig weiß, wie man angemessen darauf reagiert. Immerhin wusste die Ärztin schon, dass ich nicht sofort ins Krankenhaus will, sondern erst einmal auf eine kleine Geburt warten möchte.

Jetzt hoffe ich sehr, dass sich unser drittes Sternchen bald auf natürlichem Wege verabschiedet und mir wenigstens eine Ausschabung erspart bleibt. Wie ich dieses Wort HASSE- als würde man etwas Unerwünschtes herauskratzen müssen. Dafür muss dringend ein besseres Wort gefunden werden.

Durch meine beiden lebenden Kinder bin ich zum Glück gezwungen, einen „normalen“ Alltag zu leben, was hoffentlich verhindert, dass ich wieder in so ein tiefes Loch stürze wie nach der zweiten Fehlgeburt.

Gute Reise, kleiner Stern *

2 unter 3, Attachment Parenting, Elternsein, Montessori zu Hause, Waldorf

AP, Waldorf, Montessori: Warum oder?

 Attachment Parenting 2.0

Beim ersten Baby war ich sozusagen noch Hardcore Attachment Parenting Anhänger. In der Theorie hörte sich das alles so einfach und selbstverständlich an. Natürlich wird das Baby AUSSCHLIESSLICH getragen, natürlich VOLL und NACH BEDARF gestillt, so lange bis sich das Kind von alleine abstillt, natürlich schlafen wir im FAMILIENBETT, usw. Bei der Erwähnung eines Kinderwagens, Schnullers, Fläschchens oder Gitterbettchens im gar eigenen Zimmer lief es mir eiskalt den Rücken runter – wie kann man nur! Erstelterlicher Idealismus, würde ich sagen 😉 Mittlerweile hat sich das alles ein bisschen relativiert. Nur weil man alles 100%ig richtig zu machen glaubt, heißt das noch lange nicht, dass das auch für die eigene Familie so funktioniert und die beste Lösung ist. Hier ein sehr schöner Artikel dazu: Vorsicht! Attachment Parenting funktioniert nicht

Irgendwann gab es dann auch bei uns Schnuller, Kinderwagen, Wegwerfwindeln und (teilweises) Abstillen, weil der Alltag dadurch für alle einfacher wurde. Was nützt es denn, alles einer Ideologie entsprechend fanatisch „richtig“ machen zu wollen, wenn man sich dadurch selber nur das Leben schwer macht.

Waldorf

Über Leonies Bücherliste fiel mir das Buch  „You are your child`s first teacher“ in die Hand. Dadurch wurde mir erst so richtig klar, wie wichtig eine ansprechende Umgebung, Rhythmus und Rituale für ein Kind sind, und ich habe angefangen, unseren Alltag und Wohnraum dementsprechend umzugestalten, z.B. gibt es jetzt bei uns ein Wochenrad, wo jeder Tag seine eigene Farbe hat, und entsprechende Aktivitäten stattfinden. Dazu gibt es bald noch einen extra Beitrag.

Montessori

Auf der Suche nach Anregungen, wie man sein Zuhause kleinkindgerechter gestalten kann, kam ich schließlich zu Montessori, und habe unter anderem einen meiner neuen Lieblingsblogs entdeckt: Eltern vom Mars. So viele tolle Ideen, am liebsten würde ich bei uns gleich sofort alles auf einmal umgestalten…

Von Montessori hatte ich zwar schon öfter mal gehört, wusste aber nicht genau, welches Konzept dahintersteckt. Zeit, sich mal genauer zu informieren, und so hab ich mir ein paar Bücher gekauft:

Gelesen habe ich bis jetzt die ersten beiden, in die „Übungen des praktischen Lebens“ gucke ich ab und zu mal rein, und das letzte lese ich momentan.

Der Montessori-Grundgedanke ist eigentlich ganz einfach:

„Hilf mir, es selbst zu tun.“

Dadurch, dass es bestimmte Dinge selbst tun kann, gewinnt das Kind ein gesundes Selbstbewusstsein. Ich versuche, sie bei sovielen alltäglichen Dingen wie möglich mitmachen zu lassen, und ihr alles ganz genau, aber mit wenigen und einfachen Worten zu erklären. Und es ist wirklich spannend zu sehen, was die Maus alles schon selber machen kann, wenn man sie nur lässt! An-und Ausziehen, etwas zum Trinken eingießen, eine Banane schälen und in Stücke schneiden, usw. Das schwierigste dabei ist eigentlich, mich selbst zurückzuhalten, ihr „helfen“ zu wollen, wenn es mir nicht schnell genug geht. Meistens genügt Warten oder ein kleiner Stupser in die richtige Richtung. Auch bei den Kleinsten kann man schon anfangen, ihnen Möglichkeiten zur Selbstständigkeit anzubieten, zum Beispiel indem man sie ab ca. 6 Monaten aus einem kleinen Schnapsglas trinken lässt statt aus einer Nuckelflasche.

In der nächsten Zeit werde ich einzelne Montessori-Aspekte herausgreifen und über unsere Umsetzung zu berichten.

Und was ist jetzt das Richtige?

Wir suchen uns einfach aus allen Richtungen, die es da draußen gibt, die Aspekte raus, die für uns passen und basteln uns daraus unsere eigene Erziehungsphilosophie.
Inspiriert sind wir neben Attachment Parenting, Waldorf und Montessori noch von Pagan Parenting, und der Arbeit von Emmi Pikler und Magda Gerber, auch wenn es da teilweise konträre Ansichten gibt 😉

2 unter 2, Elternsein

Ein Tag mit 2 unter 2 oder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Ich hab mal spaßeshalber mitprotkolliert, „was ich denn so mache den ganzen Tag“. Falls mich das mal wieder jemand fragen sollte, bitteschön:

6.30 Aufwachen, Kind Nr. 1 stillen, Kind Nr. stillen, kuscheln und Handpuppenspiel zum Aufwachen

7.30 Aufstehen, Bett machen, kurz Emails checken, Sonnengruß machen, Morgentoilette für Mama

8.00 Papa verabschieden, Baby anziehen, Waschmaschine anstellen, Großkind pieselt ins Wohnzimmer, Paket annehmen

8.30 Baby stillen, aufs Lammfell legen zum Schlafen, Tee kochen, Frühstücken

9.00 Großkind waschen & anziehen, Windelwäsche wegräumen

9.30 Paket auspacken, Winterschuhe anprobieren, Telefonieren mit Oma und Schuhe nochmal zwei(!) Nummern größer bestellen

10.30 Windelwäsche aufhängen, Großkind erneut neue Hose anziehen, und endlich mal was Trinken!

11.00 Baby wacht auf, stillen, wickeln

11.15 Mittagessen wärmen, Katzen füttern, einhändig Mittagessen mit Baby aufm Schoß

11.45 Mittagsschläfchen. Beide Kinder sofort eingeschlafen, Wohooo!

12.30 Hermes klingelt uns wach, nochmal einschlafen. Argh.

13.45 alle wieder wach, Baby stillen.

14.00 Aufstehen, wickeln x2

14.30 Wäsche weiter aufhängen, mit Großkind „Baby Bich“ anschauen (ihr Fotoalbum vom ersten Jahr)

15.15 Teezeit & Lesen, Baby schläft wieder auf dem Lammfell

16.00 Küche aufräumen, Kartoffeln schälen fürs Abendessen, Telefonieren mit Papa

17.00 Baby wieder wach, stillen, wickeln

17.15 Bad putzen, Baby turnt solang nackig aufm Wickeltisch. Nachbarin befreien (wurde von ihrer Tochter eingesperrt)

17.30 Turnmatte für Großkind ins Wohnzimmer, Blumenkohl & Kartoffeln fürs Abendessen kochen

18.00 Waschmaschine Nr. 2 anstellen, Baby schreit und wird in die Manduca geschnallt

18.30 Papa kommt heim, Töpfchensitzung mit Großkind

19.00 Abendessen mit meckerndem weil müdem Baby

19.30 Babymassage & beide Kids bettfertig machen, Papa hängt Wäsche auf

20.30 Baby ist eingeschlafen, angefangenes und nun kaltes Abendessen fertig essen, Yogitee kochen, bisschen Surfen im Internet

21.00 Küche aufräumen, Abwaschen

abwaschstapel

22.30 Feierabend. Internet. Diesen Blogeintrag schreiben.

23.30 Bett. Endlich.

ca. 1 Uhr, 4 Uhr und 6 Uhr: Stillen.

Langeweile? Fehlanzeige 😉

2 unter 2, Abwechslung aufm Teller, Elternsein, Gedankensalat

Internetfasten- und nun?

Was hat mir das Internetfasten nun eigentlich gebracht?

Die eine Woche hat mir wirklich gut getan, ich schlafe wieder besser (ein) und der Gedanken-Kopfsalat hat sich etwas beruhigt. Ich hatte endlich mal die Ruhe, das Montessori-Buch zu Ende zu lesen und darüber nachzudenken, ohne dass mir ständig andere Gedanken dazwischenfunken.

Wieviel Internet brauche ich?

Eigentlich kann ich auch ganz gut ohne Internet. Im Urlaub z.B. vermisse ich es nicht einmal. Aber ein bisschen Input & Inspiration brauche ich im Alltag dann doch ab und zu.

Da ich momentan sowieso an einem strukturierteren Tagesrhythmus arbeite, werde ich mir feste Tageszeiten für Internet-Dinge einrichten: Morgens nach dem Frühstück kurz Mails checken, nachmittags & abends eine halbe Stunde Surfen und Blogeinträge verfassen. Oder so ähnlich.

Die Angst, irgendetwas zu verpassen hat meinen Feedreader auf knapp 200 Feeds anwachsen lassen. Keine Chance das alles zu lesen. Deswegen werde ich mich jetzt erstmal auf meine 25 Lieblingsblogs beschränken. Dabei vertraue ich dann einfach darauf, dass das was ich wissen muss schon irgendwie zu mir kommt 😉

Und einen internetfreien Tag pro Woche werde ich auf jeden Fall beibehalten.

Und: Was ist mir momentan wirklich wichtig?

Mit dieser Frage im Hinterkopf sortiere ich ab sofort gleich aus, ob ich einen Link jetzt anklicke oder nicht. Am dringendsten und wichtigsten ist mir bspw. momentan:

  • einen festen Tages- und Wochenrhythmus für uns einzurichten, um den Alltag mit den zwei Kids reibungsloser zu gestalten. Dazu werde ich bald noch einen extra Beitrag verfassen.
  • Montessori in unseren Alltag und unsere Wohnung zu integrieren,
  • und endlich mal wieder abwechslungsreicheres Essen auf dem Tisch, nachdem es jetzt gefühlt wochenlang nur Nudeln/Kartoffeln/Reis mit Karotten/Rote Bete/Zucchini gegeben hat 😉

Alles was nichts mit diesen 3 Punkten zu tun hat, versuche ich zu ignorieren.

Und zu guter Letzt: Achtsamkeit.

Wie Wilde Wölfin schon kommentiert hat, ist Achtsamkeit wirklich der Schlüssel um die schönen Momente im Alltag nicht zu verpassen. Es kostet einiges an Übung, sich immer wieder in den Moment zurückzuholen, lohnt sich aber für alle Beteiligten.

Wieviel Internet „braucht“ ihr so?

Babykram, Elternsein, Farbenrausch, Filzen, Haushaltsverschönerung, Kreatives, Selbermachen

Tanzende Feen über dem Wickeltisch

Schon lange wollte ich so einen Feenreigen über dem Wickeltisch haben, fand die Bastelsets dafür aber relativ teuer. Bis ich vor kurzem auf die Idee gekommen bin, einen selber zu basteln mit Feen aus Filzwolle:

feenreigen2

Die Bastelaktion hat sich über mehrere Wochen hingezogen, immer wieder musste ich die Feen vor Kind und Katzen in Sicherheit bringen, und die ein oder andere Fee musste auch dran glauben. Jetzt brauchen die Feen nur noch ein bisschen Feinschliff, aber er hängt!

Und so sieht das Ganze aus Babys Sicht aus:

Schöner Nebeneffekt: Der Feenreigen dämpft das grelle Licht von der Zimmerdecke und Baby wird nicht mehr so geblendet.

2 unter 2, Babykram, Elternsein, Kinder

2 unter 2: Schokolade & Oropax

Tja, wie ist er nun, der Alltag mit zwei Kindern unter zwei?

Vor allem eines: Anstrengend. Oft sind zwei Hände für zwei Kinder einfach zu wenig.

Der Abstand zum letzten Blogpost lässt erahnen, wieviel Zeit mir für mich selber bleibt…  So ein Blogpost lässt sich auch im Stehen mit Baby vorm Bauch tippen (Ein Hoch auf mein aus einem Laptop-Betttablett selbstgebautes Stehpult). Duschen geht aber prinzipiell nur am Wochenende, und in Ruhe aufs Klo gehen würd ich auch gern mal wieder 😉

Die abendliche Internetsession hab ich seit ein paar Wochen lieber gegen Schlaf ausgetauscht, es gibt nix Schlimmeres als zwei schreiende Kinder, die gleichzeitig was von einer total übermüdeten Mama wollen. So gehen wir momentan alle miteinander gegen 20.30 Uhr ins Bett, dann bleibt auch für mich annähernd genug Schlaf übrig.

Der kleine Bruder hat mit 10 Wochen (WAAAS? Schon 10 Wochen?) schon stattliche knappe 7kg und 62cm und strapaziert meinen Rücken ganz schön.

Der Alltag hat sich mittlerweile so eingespielt, dass wir zumindest alle satt werden, wir nicht komplett im Chaos versinken und ich sogar schon wieder ab und an mal Zeit habe für ein kleines DIY-Projekt.

In all dem alltäglichen Stress, den ich manchmal nur mit Schokolade und Oropax (und evtl. auch einem Holzhammer) zu überstehen glaube, gibt es aber auch die Momente, wo mir vor lauter Mamaglück die Tränen in die Augen steigen: wenn sich die Große an meinen Rücken kuschelt während der Kleine nuckelt. Oder beide aneinandergekuschelt auf dem Lammfell liegen. Hach! Hätte mir vor drei Jahren jemand gesagt, dass ich bald gleich zwei solche kleinen Wunder im Arm haben werde, ich hätte ihm NIEMALS geglaubt…

 

Ich hoffe, ich schaffe es in nächster Zeit hier wieder öfter zu berichten, was frau mit zwei Händen und zwei Kindern so anstellt 🙂 Die Große hat bald Geburtstag und Weihnachten steht auch quasi vor der Tür, es sind also schon mehrere Selbermach-Projekte in der Warteschlange…

Elternsein, Kreatives, Puppen, Selbermachen, Spielzeug

Fritzi mit den feuerroten Haaren

Ich weiß auch nicht, WAS es genau ist, irgendwie haben es mir selbstgemachte Stoffpuppen nach Waldorf-Art angetan. Wunderschöne Exemplare machen z.B. Maria von Mariengold, oder Juliane von Fröken Skicklig. Der Wunsch, so ein zauberhaftes Wesen für meine kleine Babymiez selberzunähen, entstand sofort, als ich diese Puppen zum ersten Mal gesehen habe 🙂

Von der Planung bis zur Umsetzung hat es allerdings ein Weilchen gedauert. Zuerst habe ich mir vor etwa anderthalb Jahren das Buch von Karin Neuschütz, „Die Waldorfpuppe“ gekauft. Zu der Zeit war Babymiez noch in meinem Bauch 😉 Dann hab ich Material gekauft: Puppentrikot, Mohairgarn für Haare, Wolle zum Füllen. Und letzte Woche endlich hab ich sie dann genäht: Fritzi, 25cm groß, mit grünen Augen und feuerroten Haaren.

Insgesamt saß ich drei Abende dran: die Körperteile genäht & gestopft, die Perücke gehäkelt, und Klamotten genäht/gehäkelt. Sie ist sicher nicht perfekt, und ein professioneller Puppenmacher würde wahrscheinlich schmunzeln, aber ich finde, für die allererste Puppe ist sie gar nichtmal schlecht geworden 🙂

An vielen Stellen war mir das Buch von Karin Neuschütz aber zu ungenau, deswegen hab ich mir noch das Ebook von Mariengold gekauft, und danach z.B. auch die Perücke gemacht.

Es hat sehr viel Spaß gemacht, das kleine Püppchen entstehen zu sehen, und irgendwie hat die kreative Arbeit mit der Hand, und Spielzeug für das eigene Kind mit viel Liebe selbst zu machen, einfach etwas sehr Befriedigendes.

Fritzi braucht natürlich auch noch mehr Sachen zum Anziehen, bis jetzt hat sie nur den Schlafanzug und das Mützchen.

Das war bestimmt nicht die letzte Puppe 🙂

Elternsein, Geburt, Schwangerschaft

Babymiez‘ Geburtsbericht: Hausgeburt im Krankenhaus

Nach über einem Jahr bin ich nun endlich bereit dazu, den Geburtsbericht zu veröffentlichen. Es ist ja doch etwas seeeeehr persönliches. Aufgeschrieben hab ich es gleich kurz nach der Geburt, und ich bin froh darüber, denn viele Details sind inzwischen verblasst.

Ich hatte mir schon gleich zu Beginn der Schwangerschaft eine Beleghebamme gesucht, die auch Hausgeburtshebamme ist. Die Vorsorge habe ich im Wechsel bei der Frauenärztin und bei der Hebamme gemacht. Wegen meinem Gerinnungsdefekt war eine Hausgeburt aber leider von vorneherein ausgeschlossen, was mir eine Weile zu schaffen gemacht hat. Irgendwann habe ich mich dann damit abgefunden, geholfen hat mir dabei unsere Geburtswunschliste, die wir beim Vorgespräch im Krankenhaus mit abgegeben haben.

Nachdem ich ja seit der 26. SSW mit vorzeitigen Wehen bzw. häufigen Kontraktionen zu tun hatte, hatte ich nie daran geglaubt, doch soo nah an den ET heranzukommen…

Vorbereitung

Ab der 21. SSW hab ich angefangen, mich mit „HypnoBirthing“ auf die Geburt vorzubereiten. Zum Buch dazu gibt es eine CD mit Entspannungsübungen, zusätzlich haben wir noch einen Kurs bei Stefanie Glaser besucht. Zu HypnoBirthing werde ich noch einen extra Artikel schreiben. Nach und nach konnte ich das durch die zwei vorangegangenen Fehlgeburten verlorene Vertrauen in meinen Körper wieder aufbauen.

In der 36. Woche starteten wir dann sogar mit geburtsvorbereitender Akupunktur. 3 Termine im wöchentlichen Abstand. Der letzte war am Mittwoch, den 9.11.

Der ET (18.11.) rückte näher und näher, und so langsam wurde ich doch ungeduldig, weil im KH theoretisch am Termin eingeleitet werden sollte wegen der Gerinnungsgeschichte. Natürlich nur, wenn ich auch einwillige, aber ein bisschen unter Druck gesetzt hab ich mich dann seit dem Arztgespräch schon gefühlt. Ich wollte keinesfalls eine Einleitung, lieber hätte ich noch alles mögliche ausprobiert von Rizinuscocktail bis Einlauf.

Mit meiner Hebamme hab ich dann ausgemacht, dass ich mir für Sonntag, den 13.11. Rizinuskapseln besorge, und wir dann einfach gucken was passiert. Sie arbeitet gern Sonntags, und der 13. wäre mein Wunschdatum gewesen, also perfekt 😉

Ich hab mir die Rizinuskapseln gekauft- allerdings in einer geringeren Dosierung als die Hebamme gesagt hat, sodass ich 80 St. hätte nehmen müssen, um auf die 2 EL eines Rizinuscocktails zu kommen. Das war mir dann doch bisschen zu viel, zumal ich nur eine Packung gekauft hatte. Und den Gedanken während der Geburt dann Durchfall zu haben, fand ich auch nicht grade prickelnd.

Kurz vor der Geburt habe ich noch schnell das Buch „Birthing from Within“ bestellt, innerhalb von zwei Tagen durchgelesen und es bereut, dass ich es mir nicht schon früher gekauft hatte. Es ist DAS Buch, das ich gesucht habe. Es hat die praktischen Tipps und Ratschläge, die in „Die selbstbestimmte Geburt“ fehlen, und das Weiblich-Spirituelle, das ich beim „HypnoBirthing“ etwas vermisse. Leider reichte dann die Zeit nicht mehr für die Übungen, aber allein, es noch gelesen zu haben hat mich schon enorm beruhigt. Bei der nächsten Schwangerschaft (also jetzt ;-)) will ich mich damit dann noch viel mehr beschäftigen.

Geburt

Da sich wehentechnisch bis zum 12.11. noch nicht viel getan hat, hab ich also am Samstag abend ein Senfmehlfußbad gemacht, mir dabei mit den letzten Tropfen vom Weleda Schwangerschaftsöl den Bauch einmassiert, und das kleine Kätzchen gebeten, sich doch mal langsam auf den Weg zu machen…

Am nächsten morgen im Bett dann merke ich regelmäßige Kontraktionen, so etwa alle 10 Minuten, ab ca. 6.50 Uhr. Ich werde ein bisschen aufgeregt- geht es tatsächlich heute los? Es ist der 13. ! Sicherheitshalber stehen wir gegen 8 Uhr auf, ich gehe duschen und Haare waschen, wer weiß wann ich das nächste Mal dazu komme 😉

Die Kontraktionen werden tagsüber regelmäßiger, die Abstände langsam kürzer, und allmählich kann ich dann doch auch von „Schmerz“ sprechen. Die schmerzhaften Phasen dauern anfangs noch ca. nur 20 Sekunden.

Wir gehen nachmittags nochmal eine ¾ Stunde lang langsam spazieren, beim Laufen dann kommen die Kontraktionen alle 3 Minuten, ich kann sie am besten aushalten, wenn ich in Bewegung bleibe und mit der Hypnobirthing-Bauchatmung „dagegen“ atme. Zum Aufwärmen nach der Kälte gibt’s Punsch mit extra viel Zimt und Nelken, und Lebkuchen.

Gegen 17 Uhr rufe ich die Hebamme an, dass es heute evtl. noch was werden könnte… Regelmäßige Wellen alle 5 Minuten, aber schmerzhafte Phase noch keine 40-60 Sekunden. Ich soll mich ablenken und versuchen zu entspannen, wenn ich will kann ich in die Wanne. Mache ich auch, gegen 18 Uhr. In der Wanne werden die Wellen zuerst weniger, als ich wieder draußen bin dafür die Abstände wieder kürzer und auch die schmerzhafte Phase länger, jetzt bin ich bei 40-60 Sekunden! Oha!

Ich mache weiter die Bauchatmung, stöhne leise vor mich hin und lasse mein Becken dabei kreisen, das macht einiges aus in Punkto Schmerzempfinden. Auf dem Gymnastikball Spiralen kreisen ist auch gut. Ich versuche, auf dem Sofa zu entspannen, chatte noch kurz mit einer Freundin. Sie fragt, ob ich denn noch einschlafen könnte mit den Wellen- ich verneine- bei der Intensität könnte ich sicher nicht mehr schlafen- und sie rät mir, dringend mal nach dem Muttermund zu tasten. Was ich sofort mache.

Ich bin total aus dem Häuschen, ich komme zwar mit dem Finger nur grade so hin, kann aber deutlich spüren, dass der Mumu schon mindestens 2-3 cm offen ist und das Köpfchen bzw. die Fruchtblase(?) hervorschaut.

Jetzt wird es also wirklich, wirklich ernst!

Ich sag aufgeregt meinem Schatz Bescheid, und wir fangen hektisch an, die letzten Sachen in die Kliniktasche zu packen. Gegen 22.30 Uhr telefoniere ich nochmal mit der Hebamme, sie meint, ich soll Bescheid sagen, wenn ich mich in Obhut begeben will, dann fährt sie sofort los. Ich will noch nicht ins KH, lieber noch so lange wie möglich daheim bleiben. So gegen 24 Uhr halte ich es dann langsam nicht mehr aus, ohne mich irgendwo festzuhalten und anzulehnen und schon etwas lauter dabei zu stöhnen.

Also die Hebamme zum dritten Mal angerufen und Startschuss gegeben, wir treffen uns gegen 0.30 Uhr im KH. Mit dem Auto brauchen wir nur knapp 5 Minuten, wir fahren vor bis zur Eingangstür, Schatzi muss das Auto dann noch wegbringen, ich warte solange im Eingangsbereich. Die Zeit kommt mir vor wie die Ewigkeit…

Wir klingeln an der Tür zum Kreißsaal. Zuerst geht es ins CTG-Zimmer, regelmäßige Wellen alle 3 Minuten. Dann kommt auch schon meine Hebamme dazu, tastet den Mumu, der mittlerweile schon bei 6-7 cm ist! Der Kopf von Babymiez steht oberhalb vom Schambein.

Ich ziehe meine „Geburtsklamotten“ an, und wir ziehen ins Wehenzimmer nebenan um. Kreißsäle sind in dieser Nacht tatsächlich ALLE belegt! Die Hebamme improvisiert…holt einen Gebärhocker, eine Matte zum Draufknien, einen Geburtsball, eine Duftlampe aus dem Bad nebenan.

Ich befinde mich in einer Art dämmerndem Wachzustand, weit weg von der Außenwelt, arbeite mich von Welle zu Welle.

Irgendwann fange ich an am ganzen Körper an zu Zittern, die Hebamme gibt mir dagegen Gelsemium C30. Irgendwann hab ich trotz Wollsocken eiskalte Füße, ich bekomme eine Fußmassage mit einem Stadelmann-Öl. Um 3 Uhr ist der Muttermund bei 7-8 cm. Ich probiere verschiedene Stellungen aus: im Knien auf dem Bett, mit den Armen auf dem Kopfteil abgestützt, dabei massiert die Hebamme mein Steißbein, sehr angenehm.

Dann stütze ich mich im Stehen vor dem Bett auf dem Geburtsball ab, der auf dem Bett liegt. Warten auf die nächste Welle, mitatmen, tönen… Zeitgefühl hab ich absolut keines mehr. Mein Kopf ist vollkommen leer, ich bin einfach nur HIER, und gleichzeitig weit weg. In „Labour Land“, wie es auf Englisch so treffend heißt. Versuche, mit dieser unglaublichen Kraft mitzugehen.

Um kurz vor 5 schickt mich die Hebamme aufs Klo zum Pullern, mit der Absicht, die Fruchtblase zum Platzen zu bringen. Ich zieh mir den Bademantel an, setz mich aufs Klo, die nächste Welle kommt, ich stöhne dazu und „PFLATSCH“- ist sie auch schon geplatzt, und ein Schwall Fruchtwasser plätschert ins Klo. Wie eine Wasserbombe hat sich das angehört, ich war total baff!

Um 5.10 Uhr ist dann der Mumu auch schon vollständig offen, das Fruchtwasser klar, Baby steht bei Beckenmitte. Ab jetzt kann ich dann nicht mehr mit der Hypnobirthing-Bauchatmung weitermachen, ich muss richtig laut mit den Wellen mitstöhnen, hab ab da dann kurz und tief ein- und lange auf Aaaaaaaaaaaa ausgeatmet.

Dann sitze ich kurz mal auf dem Geburtshocker, dann im Knien vor Schatzi, der auf dem Geburtsball sitzt. Immer wenn eine Welle kommt, werfe ich mich ihm auf den Schoß, in der Pause zwingt die Hebamme mich wieder hoch.

Das war mit der anstrengendste Teil der Geburt, weil die Phase recht lang gedauert hat. In jeder Pause zwischen den Wellen muss ich einen Schluck trinken, weil mein Mund vom Stöhnen (mittlerweile schon fast Schreien) so trocken ist. Ich kann mich aber in den kurzen Pausen ganz normal unterhalten, nur wenn die nächste Welle anrollt, bin ich wieder „weg“. Und die rollen immer heftiger an…es ist ein unglaublicher Druck nach unten, als ob ich groß aufs Klo müsste. Und auch der Druck wird immer größer. Die Hebamme macht zwischendurch immer wieder Dammassage und legt Kompressen auf den Damm.

Dann sitze ich auf dem Geburtshocker, Schatzi hinter mir zum Anlehnen, er muss ganz schön dagegenhalten. Und ich muss den inneren Schweinehund überwinden und obwohl es schon ganz schön wehtut, noch mehr mitpressen, es war tatsächlich ein PressDRANG, gegen den ich gar nichts machen kann. Der „Ring of fire“ ist dann gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Das Köpfchen zwischen den Beinen mit der Hand zu berühren, ein unglaubliches Gefühl…Um 6 Uhr gibt die Hebamme mir Coffea C 200, die Ärztin kommt mit dazu.

Ich gebe alles, presse was das Zeug hält, und habe das Gefühl, gleich explosionsartig groß zu müssen- einfach ignorieren, trotzdem mitdrücken.

Um 6:15 Uhr ist der Kopf durch, die Hebamme zieht kurz, der Rest flutscht hinterher und:

SIE IST DA!

Es ist geschafft, ich kann es kaum glauben. Spontangeburt in der 1. HHL. Sie sieht ein bisschen blau aus, Kopf, Arme, Beine, alles dran. Da war tatsächlich ein echter kleiner Mensch in meinem Bauch! Unfassbar. Sie ist ganz ruhig, kein einziger Schrei.

Ich fühle mich wie im Traum… Sehe das rote Handtuch zum Vorwärmen auf der Heizung, da hab ich sie auch schon im Arm und bin vom ersten Augenblick an total fasziniert.

Die Nabelschnur war um Schulter und Hüfte gewickelt, deswegen ist sie in der Austreibungsphase immer wieder zurückgerutscht, was die ganze Phase um etwa eine Stunde verlängert hat.

Um 6.25 Uhr schneidet Papa die Nabelschnur durch, die Hebamme nimmt das Blut für die pH-Wert-Bestimmung ab, und muss noch ein zweites Mal abnehmen, weil der erste Wert laut der anwesenden Ärztin „zu gut“ für eine solche natürliche Geburt ist.

Dann kriege ich zwei Akupunkturnadeln in den Bauch neben dem Bauchnabel verpasst, um die Plazentageburt anzuregen, und Babymiez darf an meiner Brust saugen. Der nun leere Bauch fühlt sich ganz schwabbelig an, wie ein Wasserbett…

Die Hebamme drückt kurz auf meinen Bauch, und um 6.30 Uhr wird die Plazenta geboren. Dem ersten Eindruck nach ist sie vollständig, d.h. es muss keine Ausschabung gemacht werden- die Gefahr bestand, weil sich die Plazenta aufgrund der vorherigen zwei Ausschabungen an Narbengewebe hätte festsetzen und nicht vollständig lösen können.

Die Hebamme geht dann kurz mit Papa und Babymiez zur Erstversorgung, ich bleibe alleine im Zimmer, und versuche das Erlebte irgendwie zu begreifen… ich hab das Gefühl, es passt nicht alles in meinen Kopf hinein.

Die Plazenta wird eingepackt, wir nehmen sie mit. Dann wird Babymiez mit Krankenhaus-Klamotten angezogen, in einen Schlafsack gepackt. Um 7.40 Uhr wird die U1 gemacht, ich bin nochmal kurz alleine.

Draußen dicker, grauer Novembernebel.

Um 9:10 Uhr ziehen wir um auf die Wochenstation. Wir frühstücken erstmal- Hunger hab ich ganz schön! – und schlafen dann alle eine Runde. Ich mit Babymiez im Bett, Schatzi im Sessel. Dann stehe ich zum ersten Mal ohne Babybauch auf, ein komisches Gefühl. Wir packen unsere Sachen, Babymiez wird dick in Wolle eingepackt und wir fahren nach Hause, nur 5 Stunden nach der Geburt.

Zu dritt- alles ist anders, alles ist neu.

Der Nebel ist weg, und die Sonne scheint!

Wie ich es mir gewünscht hatte, war es eine ganz natürliche Spontangeburt, ohne Medikamente oder Geburtsverletzungen, und  Dafür bin ich soooo dankbar! Inwieweit ich das der Vorbereitung, sowohl psychisch als auch physisch, zu Verdanken habe kann ich nicht sagen. Geschadet hat es denke ich aber keinesfalls. Und wir waren die ganze Zeit über, bis kurz bevor Babymiez geschlüpft ist, nur mit unserer Hebamme alleine. Eine „Hausgeburt im Krankenhaus“.

Attachment Parenting, Bücherstapel, Einfach leben, Elternsein, Kinder, Schwangerschaft

Neu auf dem Lesestapel

So, ich denke das neue Outfit ist gefunden 🙂

Und gestern gab es Neuzugänge auf meinem Lesestapel:

  • Momma Zen – Walking the crooked path of motherhood von Karen Maezen Miller, gefunden auf Leonie Dawsons Top 15 Business, Self Help & Parenting Books of 2012
  • Nein aus Liebe von Jesper Juul
  • Aus Erziehung wird Beziehung ebenfalls von Jesper Juul
  • Organized Simplicity von Tsh Oxenreider (hier ihr Blog simplemom)
  • Wie ein Baby entsteht von Peter Tallack
  • die aktuelle unerzogen, hab ich als Abo, und komischerweise passt das aktuelle Thema immer haargenau

Mehr dazu, wenn ich mich durch den Stapel durchgewühlt habe…