Frausein, Schwangerschaft, Seelenstriptease, Sternenkinder

Meanwhile, I keep dancing.

*

Achtung, Seelenstriptease:

Wir versuchen jetzt schon seit knapp 4 Jahren unseren Kinderwunsch zu
verwirklichen.
Mittlerweile sind so viele Freunde, Bekannte und Verwandte problemlos an
uns „vorbeigezogen“, dass ich es langsam nicht mehr ertragen kann, „freudige“
Nachrichten hören zu müssen. Gesundheitlich geht es mir nicht wirklich gut,
vom Seelischen ganz zu schweigen. Ich versuche alles zu meiden, was nur
annähernd mit dem Thema Schwangerschaft und Babys zu tun hat. Falls ich es
nicht meiden kann, merk ich wie mir das Herz bis zum Hals schlägt, bringe kein
Wort mehr heraus und muss mich beherrschen, nicht in Tränen auszubrechen.
Zudem hab ich seit der zweiten Fehlgeburt sehr unregelmäßige und lange Zyklen,
was mich noch zusätzlich belastet. Ich fühle mich nicht mehr wirklich als Frau.
Mit der letzten dieser freudigen Nachrichten vor ein paar Tagen hat etwas in
mir drin gesagt: „So, es reicht. Es reicht jetzt einfach. Du machst dich doch nur selber kaputt, wenn du nicht bald was änderst.“
Und der Entschluss, den Kinderwunsch an den Nagel zu hängen, nahm in meinem
Kopf Gestalt an, zuerst nur aus Wut und Trotz. Aber je länger ich drüber
nachgedacht habe, umso klarer wurde mir, dass das Loslassen wahrscheinlich die
einzige Möglichkeit ist, diesem Teufelskreis aus negativen Gedanken und
Gefühlen zu entkommen.
Vielleicht bin ich noch gar nicht reif genug um Kinder zu bekommen, vielleicht
sollen wir aber auch einfach keine haben in diesem Leben.
So oder so glaube ich, dass ich einfach wirklich loslassen muss (und nicht nur
so tun als ob, mit der insgeheimen Hoffnung, dass es dann- oh Wunder- auf
einmal doch klappt mit dem Baby) um mir endlich meine Lebensfreude wieder
zurückzuholen.

Neulich ist mir bei Jademond ein Spruch begegnet:
„I get up, I fall down, I get up. Meanwhile, I keep dancing.“
Der hat mich zusätzlich innerlich wachgerüttelt. Mir ist klar geworden, dass ich nach dem letzten
Fall nicht wieder aufgestanden bin, momentan verletzt und verbittert am Boden
liege und dabei das Tanzen verlernt habe. Dabei ist das Tanzen so wichtig.
Ich will aufstehen und das Tanzen wieder lernen.
Dazu werde ich mir auch eine Psychotherapeutin suchen. Wahrscheinlich gibt es
auch noch einiges an Trauerarbeit aufzuholen, was noch tief in mir drin festsitzt.
Bis vor kurzem noch dachte ich, alles wird erst wieder gut, wenn ich ein
gesundes Baby in den Armen halten darf. Was aber, wenn das tatsächlich nie der
Fall sein wird? Wer weiß das schon? Dann werde ich mein Leben lang unglücklich
sein. Und das will ich nicht.

Seit ich diesen Entschluss gefasst hab, fühl ich mich irgendwie befreit, wie
aus einem unsichtbaren Gefängnis ausgebrochen. Ich hab endlich wieder Luft zum
Atmen.
Der Abschied geht nicht von heute auf morgen, es ist eher ein Prozess- aber ich
hab den Anfang gemacht. Ich kann auch nicht sagen, ob es eine 100% endgültige
Entscheidung ist. Vielleicht spür ich irgendwann auch wieder den dringenden
Wunsch, schwanger zu werden, aber momentan hätte ich gar nicht die Kraft dafür.
Die Angst, dass es wieder schiefgehen könnte wäre viel zu groß.
Eine Schwangerschaft, wie ich mir sie gewünscht hatte, wäre so gar nicht
möglich. Ich hab das Vertrauen in meinen Körper verloren, und das muss ich erst
langsam wieder aufbauen.
Werde jetzt zuerst meiner Seele die Chance geben wieder zu heilen, meinem
Körper die Zeit, wieder in seinen natürlichen Rhythmus zu finden und mich auf
ein Leben ohne Kinder einstellen.
Auch wenn es schmerzt, alle Babysachen, die wir in unserer überschwänglichen
Vorfreude schon gekauft hatten, werden weggeräumt bzw.  verkauft. Ebenso alle Bücher zum Thema und alles was ich für eine eventuelle Schwangerschaft noch hier habe.
Manchmal muss so ein harter Schlussstrich eben sein.
Puh, das ist lang geworden.
Aber es musste raus.

*

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3 thoughts on “Meanwhile, I keep dancing.”

  1. Oft passiert es ja,das wenn man losgelassen hat und im Kopf wieder frei ist sich der Nachwuchs von alleine einstellt.Es kann gut sein das du einfach noch nicht bereit für ein Kind bist,gib dir einfach die Zeit und ja mach Trauerarbeit denn die kann wenn sie nicht verarbeitet wird später ganz schön probleme machen.Ich hab auch ein Kind verloren 8Wochen war sie alt und starb am plötzlichen Kindstot ich war in Therapie und in einer Selbsthilfe Gruppe aber die Trauer ging nicht weg irgendwann hab ich sie einfach beiseite geschoben und vor ein paar Jahren in einer sehr schweren Lebenslage kam alles hoch….seit dieser Zeit und der Hilfe eines sehr guten Therapeuten weiß ich das ich es endlich geschafft habe…LG Holda

    1. Liebe Holda, es tut mir sehr leid dass du auch ein Kind verloren hast. Da sie ja schon auf die Welt gekommen ist, stell ich mir das noch um einiges schwerer vor… Ja, ich glaub auch das unverarbeitete Gefühle generell Probleme machen (können), wenn man keinen Weg findet, sie auszudrücken. Ich finde es irgendwie bemerkenswert/interessant/traurig, dass wir scheinbar genau diese Fähigkeit verloren haben (oder es uns abtrainiert wurde?…), und uns erst Hilfe holen müssen…

  2. Das klingt doch nach einem guten Start auf dem Weg zur Heilung. Ich wünsche dir alles alles gute und viel Kraft dafür. und wer weiss. Manchmal passieren Wunder, wenn man losgelassen hat. Das habe ich schon so oft erlebt (nicht nur was Babies betrifft). Ich wünsche dir eine gute Begleitung auf deinem Weg. Trauerarbeit ist so wichtig.

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